Darlehn sind kein Einkommen wenn Jobcenter nicht rechtzeitig zahlt

Das Sozialgericht Stade – S 28 AS 413/09 hat am 06.12.2011 entschieden, dass Darlehn – die zum Beispiel von Verwandten zur Überbrückung gegeben werden weil das Jobcenter die Grundsicherungsleitungen nicht rechtzeitig ausgezahlt hat – nicht als anzurechnen sind.

Das Sozialgericht begegnet mit seiner Entscheidung einer leider immer häufiger vorkommenden Praxis: Erst wird das dem Leistungsberechtigten zustehende Geld nicht (rechtzeitig) ausgezahlt und wenn sich der Leistungsberechtigte in seiner Verzweiflung Geld leiht wird die Auszahlung mit der Begründung verweigert derjenige sei im betreffenden Zeitraum nicht bedürftig gewesen.

Wenn Sie sich in einer solchen Situation befinden lassen Sie sich über das beste Vorgehen beraten – wir helfen Ihnen gerne.

Das Sozialgericht Stade hat seine Entscheidung wie folgt begründet (bearbeitet und gekürzt):

(…)  Ein Darlehen, das an den Dar-lehensgeber zurückzuzahlen ist, stellt damit als nur vorübergehend zur Verfügung ge-stellte Leistung kein Einkommen dar, auch wenn es als „bereites Mittel“ zunächst zur Deckung des Lebensunterhalts verwandt werden könnte. Auf eine „faktische“ Bedarfsde-ckung, die die Hilfebedürftigkeit entfallen lässt, kommt es nicht an; entscheidend ist allein, ob im Bedarfszeitraum Einkommen in bedarfsdeckender Höhe tatsächlich und zur end-gültigen Verwendung zur Verfügung steht. Aus diesem Grund ist bei der Qualifizierung einer Darlehenszahlung als Einkommen nicht danach zu unterscheiden, ob es sich um eine „Nothilfeleistung“ des Dritten handelt.

Eine Differenzierung danach, ob die durch den Darlehensvertrag vereinbarte Verpflichtung zur vollständigen Rückerstattung in denjenigen Bewilligungsabschnitt fällt, in dem die Darlehenssumme dem Hilfebedürftigen zugeflossen ist, scheidet ebenfalls aus. (…)

Entscheidend für die Abgrenzung ist damit allein, ob ein Darlehensvertrag entsprechend § 488 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) zivilrechtlich wirksam abgeschlossen worden ist. Um der Gefahr eines Missbrauchs von Steuermitteln entgegenzuwirken, ist es allerdings geboten, an den Nachweis des Abschlusses und der Ernstlichkeit eines Darlehensvertrages – insbesondere unter Verwandten – strenge Anforderungen zu stellen. Dies setzt voraus, dass sich die Darlehensgewährung auch anhand der tatsächlichen Durchführung klar und eindeutig von einer verschleierten Schenkung oder einer verdeckten, auch frei-willigen Unterhaltsgewährung abgrenzen lässt. (…) Die Wahrung von im Geschäftsverkehr üblichen Modalitäten (wie der Vereinbarung der in § 488 Abs. 1 BGB genannten weiteren Vertragspflichten) kann damit als ein Indiz dafür gewertet werden, dass ein Darlehensvertrag tatsächlich geschlossen worden ist. Demgegenüber spricht es etwa gegen die Glaubhaftigkeit einer solchen Behauptung, wenn der Inhalt der Abrede (insbesondere die Darlehenshöhe sowie die Rückzahlungsmodalitäten) und der Zeitpunkt des Vertragsschlusses nicht substanziiert dargelegt werden oder ein plausibler Grund für den Abschluss des Darlehensvertrages nicht genannt werden kann. Es ist aber nicht erforderlich, dass sowohl die Gestaltung (z.B. Schriftform, Zinsabrede oder Gestellung von Sicherheiten) als auch die Durchführung des Vereinbarten in jedem Punkte dem zwischen Fremden – insbesondere mit einem Kreditinstitut – Üblichen zu entsprechen hat. (…)

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